Leseprobe von Luchs Aeterna

Der unwissende Erzähler

Herkömmliche Literatur ist ein Werkzeug des Unterdrückungssystems, da in dieser die oder der Autor*in einen Wissens-, also einen Machtvorsprung vor der oder dem Leser*in hat, welche die/der Leser*in nur einholen, aber niemals erreichen oder gar überholen kann. Das Streben nach der Verringerung des Machtgefälles geschieht durch Lesen, also dem Befolgen der Vorgaben des allmächtigen Autors.

Als Rebellion gegen dieses Unterdrückungssystem habe ich eine neue Erzählform erfunden, der unwissende Erzähler. Dieser ist von Anfang bis Ende auf dem gleichen Wissensstand wie die oder der Leser*in. Es besteht also kein Machtgefälle.

Eine Geschichte könnte etwa so aussehen:

An einer Bushaltestelle stand ein Mann. Oder eine Frau, das ist möglicherweise schwer zu sagen, aber vielleicht auch gar nicht wichtig. Oder er oder sie saß. Es war Tag oder Nacht, das kannst du dir in deiner Phantasie vorstellen, wie du willst.

Auf jeden Fall kam dann eine zweite Person, oder auch nicht. Es wurden eventuell einige Worte gewechselt, kann gut sein, dass die beiden sich kannten. Falls das der Fall war, könnten Sätze gefallen sein wie: „Ach, du, hier. Und sonst so?“ Oder Standardfloskeln wie: „Naja, muss ja!“

Nach einer Handlung mit Höhen und Tiefen spitzt sich die Geschichte möglicherweise zu, etwa durch ein Eifersuchtsdrama, gespickt mit Allgemeinplätzen wie etwa: „Du hast mich mit Babette betrogen, du Schuft!“

Anschließend kommt wahrscheinlich noch ein verschollener Onkel, das ist doch meistens so, und findet dann ein jähes Ende oder auch nicht. Eventuell spielte Sahne sogar eine tragende Rolle. Das passiert meiner Meinung nach viel zu selten.

Ende?

Luchs Aeterna

Luchs Aeterna,

aufgewachsen unter Luchsen, lebend unter Affen, betrachte ich die Welt mit wachen Augen.

Es gibt Anlass zur Sorge. Rechte Trolle greifen den Narrativ an, das Sozialwesen wird immer US-amerikanischer.

Doch es gibt umso mehr Grund zur Hoffnung. Moderne Menschen, progressiv, sozial und pluralistisch denkend, lassen nicht zu, dass die Gesellschaft vor die Hunde geht.

Meine Texte handeln vom Ringen des Menschen mit sich selbst und den anderen. Sie sollen zum Nachdenken anregen und Fragen aufwerfen.